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In dieser Episode von Smarter Leben diskutiert Lenne Kafka mit dem Ernährungsforscher Stefan Kabisch die Rolle von Fetten in der Ernährung und deren Einfluss auf die Gesundheit. Sie klären, welche Fette gesund sind, wie man sie auswählt und welche Mythen rund um Fette verbreitet sind. Zudem wird erörtert, wie sich der Verzehr von gesättigten und ungesättigten Fetten auf das Körpergewicht und die allgemeine Gesundheit auswirkt. Abschließend werden praktische Tipps gegeben, wie man gesunde Fette in die Ernährung integrieren kann.
Fett ist durchaus eine wichtige Baustelle, eine an der man gut drehen kann, mit relativ simplen Kniffen. Aber es reicht eben nicht aus, dort stehen zu bleiben. Willkommen zu Smarter Leben. Ich bin Lenne Kafka und heute sprechen wir darüber, wie Fette unsere Gesundheit beeinflussen. Zu Gast ist Studienarzt und Ernährungsforscher Stefan Kabisch.
Butter oder Margarine? Was ist gesünder? Habt ihr es euch auch schon mal gefragt? Im Netz kursieren dazu sehr widersprüchliche Ratschläge. Und auch sonst gibt es unzählige Tipps zu Ölen, anderen Fetten und wie wir sie am besten zu uns nehmen. Vieles davon klingt überzeugend, aber oft fehlt der wissenschaftliche Beweis. Stefan ist Studienarzt und Ernährungsforscher an der Charité in Berlin und kennt die Fakten. Welche Empfehlungen sind wirklich fundiert? Wie wählen wir die richtigen Fette fürs Braten, Backen oder Frühstücksbrot? Und welchen Einfluss hat das Ganze tatsächlich auf unsere Gesundheit? Darum geht's in dieser Folge.
Stefan, Fette in der Ernährung wurden lange verteufelt, inzwischen gelten sie als wichtig. Was macht Fett so unerlässlich? Wofür braucht unser Körper eigentlich Fett?
Fett hat verschiedene Aufgaben in unserem Körper. Es ist zunächst einmal ein Energieträger und zwar der dichteste Energieträger, den wir in der Nahrung haben können. Heißt also, auf 100 Gramm liefert Fett so viel Energie wie kein anderer Nährstoff. Das ist ein wichtiger Punkt. Der andere ist, dass Fett für Strukturen in unserem Körper gebraucht wird. Zellmembranen bestehen zum überwiegenden Teil aus Fett und einen Teil dieses Fettes müssen wir tatsächlich aktiv zuführen, den können wir nicht selber herstellen. Und zum anderen sind bestimmte Fettmoleküle auch Vorläufer von Hormonen, von Signalmolekülen, die wir im Körper brauchen. Insofern hat Fett also ganz verschiedene Aufgaben. In einigen ist es so, dass wir das über die Nahrung wirklich zuführen müssen. Andere Teile können wir selber produzieren.
Welche Risiken gehen wir denn ein, wenn wir wirklich versuchen, Fett immer aktiv aus unserer Nahrung zu verbannen? Im Grunde weil, keine Ahnung, weil ich Angst habe, dass ich davon dick werde. Da stecken zwei Probleme drin. Zum einen kann das der reine Mangel am Fett sein. Ein Großteil unseres Fettbedarfs können wir, wie gesagt, aus anderen Nährstoffen auch herstellen. Da tritt der Mangel gar nicht so sehr auf. Es gibt bestimmte essenzielle Fettsäuren, die wir zwingend zuführen müssen. Und die sind dann schon ein Problem, dass die eben nicht mehr in der Nahrung auftauchen, dass die nicht mehr unseren Körper erreichen. Zweitens das Problem, dass es Nährstoffe gibt, für die wir Fett als Trägermolekül brauchen, damit wir sie aufnehmen können. Bei den fettlöslichen Vitaminen ist das zum Beispiel der Fall. Wenn also die Nahrung zu wenig Fett enthält, dann nehme ich auch diese Vitamine nicht auf. EDKA, oder? Ganz genau. EDKA. Das sind die vier. Und dann gibt es noch ein paar andere vitaminartige Substanzen, für die das im Prinzip auch gilt. Für das Lykopin zum Beispiel aus den Tomaten, da ist das ähnlich. Letztlich für die ganze Gruppe auch der Karotin und Idyl ist es so.
Und zum anderen ist es so, wenn ich meine Ernährung zwar auf gesund optimiere, aber eben nur auf das Fett schiele, dann lasse ich möglicherweise ganz andere Baustellen völlig außer Acht. Ich sehe also zum Beispiel nicht, dass die Kohlenhydrate, von denen ich mich ernähre, alles eher ungesunde Kohlenhydrate sind, dass da möglicherweise auch einfach wenig Ballaststoffe drin sind. Und insofern löse ich vielleicht ein Problem bei ungesunden Fetten, aber bringe mir ganz neue Probleme ein bei ungesunden Kohlenhydraten.
Jetzt habe ich eben schon gesagt, viele Menschen haben halt einfach Sorge, dass wenn sie zu viel Fette essen, dass sie dann auch dicker werden. Welche Rolle spielt denn fettige Nahrung beim Körpergewicht? Fettige Nahrung spielt zumindest eine Rolle, das kann man bejahen.
Wie groß die Rolle tatsächlich ist, das ist sehr, sehr schwer zu messen, weil die Ernährungsforschung dort für die meisten Studien nicht die nötige Präzision aufweisen. Ein Großteil der Studien entweder an Versuchstieren gemacht wurde, was auf den Menschen nicht gut übertragbar ist. Und da, wo die Studien am Menschen gemacht wurden, sind es oftmals Beobachtungsstudien, die methodisch ganz große Unschärfen aufweisen, sodass sich das ebenfalls nicht sauber verwerten lässt und man da keine konkrete Empfehlung daraus ziehen kann.
Insofern haben wir eine grobe Ahnung, dass zu viel vom falschen Fett tatsächlich ein Problem ist, weil es eben so ein dichter Energieträger ist, der nicht super viel satt macht. Aber ab welcher Grenze das problematisch ist und ob das für verschiedene Altersgruppen unterschiedlich ist, für Männer und Frauen unterschiedlich ist, für verschiedene Ethnien unterschiedlich ist, das lässt sich alles sehr schwer beantworten. Und muss ja dann auch noch übertragen werden auf ganz konkrete Erkrankungen. Also begünstige ich jetzt den Herzinfarkt ab einer bestimmten Menge Fett? Ist das bei Typ 2 Diabetes die gleiche Grenze? Ist das für die Sterblichkeit die gleiche Grenze? Und tritt das präventiv auf, also bevor ich diese Erkrankung habe? Oder ändert sich dieser Grenzwert, wenn ich die Erkrankung habe?
Das sind alles sehr konkrete Fragen, die die Forschung so sauber nicht beantworten kann. Also bislang kann sie es nicht beantworten. Man könnte das aber beantworten, wenn man die richtigen Studien machen würde. Und woran scheitern die Studien an Geld? Geld ist das Problem. Das heißt, aber man kann gar nicht so pauschal sagen, wer fettiger ist, wird auch auf jeden Fall dicker. Wer fetter ist, wird krank. Das sind erst mal viel zu pauschale Aussagen. Das sind ziemlich pauschale Aussagen, die nur sehr, sehr grob in die richtige Richtung gehen, weil die meisten Menschen, die sehr viel Fett essen, typischerweise eben das falsche Fett essen, gleichzeitig aber auch noch in ihrem Lebensziel ein paar andere Sachen falsch machen.
Insofern stimmt es dann statistisch schon, dass die Menschen, die sehr viel Fett essen, ein höheres Körpergewicht haben, tendenziell schlechtere Blutwerte haben, tendenziell häufiger bestimmte Erkrankungen im früheren Alter bekommen. Aber ganz exakt so stimmt es eben nicht. Das sind tatsächlich aber schon so Aussagen, die mir in meinem Leben begegnet sind.
Was sind so typische Denkfehler, die dir auch immer wieder in deiner Arbeit begegnen, bezogen aufs Fett? Es gibt natürlich ganz viele Mythen, die ganz spezielle Fette, ganz bestimmte fettige Lebensmittel betreffen, von denen entweder gesagt wird, dass sie absolut gesund sind oder dass sie absolut krankmachend sind, dass sie schon immer zur menschlichen Ernährung gehört haben oder noch nie zur menschlichen Ernährung gehört haben und aus dem Grund eben entweder total modern und richtig sind oder total tradiert und deswegen unbedingt richtig sind. Das ist so ein Punkt. Auch eine ganz typische Überzeugung ist, dass Fett dazu führt, dass der menschliche Körper mehr Fett einlagert, sowohl in Form von Körperfett als auch in Form von schwimmenden Fett, also Blutfett.
Auch die Verbindung stellen viele meiner PatientInnen, auch andere Leute oftmals her. Da steckt so ein bisschen Wahrheit drin, aber es ist auch nicht völlig richtig.
Dann lass doch mal schauen, welche Fette sind denn aus wissenschaftlicher Sicht weitestgehend so, dass man sagen kann, die sind wirklich gut und welche sollten wir dann tatsächlich eher meiden oder reduzieren? Das betrachtet man am besten sehr chemisch. Man kann die Fette ganz grob danach einteilen, ob es gesättigte oder ungesättigte Fette sind. Das ist letztlich eine Eigenschaft der Fettmoleküle, das kann man nicht wählen. Man kann es höchstens dem Fett als solchen ansehen, wenn man es sich auf den Küchentisch stellt, dann sieht man es letztlich an der Festigkeit des Fettes.
All die Fette, die bei Zimmertemperatur fest sind, das sind diejenigen, die überwiegend aus gesättigten Fetten zusammengesetzt sind und diejenigen, die flüssig sind, haben einen höheren Anteil oder fast nur ungesättigte Fettsäuren. Da gibt es noch weitere Differenzierungen, auch die sind wichtig, aber die gröbste, die wichtigste Trennung ist gesättigtes Fett, ungesättigtes Fett und da ist das gesättigte Fett das ungünstige und die ungesättigten sind die guten.
Noch so eine pauschale Aussage, die mir begegnet ist, pflanzliche Fette sind immer gesünder? Nein, es gibt durchaus auch pflanzliche Fette, die reich sind an gesättigten Fettsäuren. Kokosfett zum Beispiel, auch Palmfett gehört dazu. Insofern würden wir die einseitig auf die ungesunde Ecke packen, obwohl sie pflanzlich sind. Bei den tierischen Fetten ist es schon so, dass die relativ flächendeckend überwiegend aus gesättigten Fettsäuren aufgebaut sind. Da gibt es jetzt keins, was man klar in die gesunde Richtung schieben kann.
Dann gibt es noch die Transfette, die auch als sehr ungesund eingeordnet werden. Was genau sind Transfette? Transfette sind chemisch betrachtet eigentlich auch ungesättigte Fettsäuren, die aber in ihrem Molekül einen ganz speziellen Knick haben. Der macht sich zu diesen Transfetten und das sind letztlich Fettsäuren, die sich noch ungesünder verhalten als die gesättigten Fettsäuren, die also ganz besonders stark entzündungsfördernd wirken, die Insulinresistenz begünstigen, die möglicherweise auch bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Deswegen Fettsäuren, die wir nach Möglichkeit so weit wie möglich aus der Nahrung verwandeln sollten. Und soweit man das technologisch beeinflussen kann, tut man das bereits. Man setzt für die Lebensmittelverarbeitung da Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen.
Transfette kommen zu einem kleinen Teil auch natürlicherweise vor in Milchprodukten, zum Beispiel, weil Rinder sowas auch selber herstellen in ihrem Körper. Insofern kriegt man den Wert nie auf null, selbst wenn man sich komplett aus natürlichen Lebensmitteln ernährt. Aber der Wert, den man dann erreicht, ist auch tatsächlich sehr niedrig.
Also bei welchen Produkten ist der Anteil besonders hoch? Bei Fast Food, Fertiggerichten? Genau. Da entstehen diese Transfette im Zuge der Verarbeitung und dort sorgt man eben durch technologische Prozesse dafür, dass der Wert möglichst gering ist, dass da möglichst wenig davon entsteht.
Spielen dann Transfette zu Hause beim Kochen in der Küche gar keine Rolle? Die können auch zu Hause beim Kochen mit entstehen. Man hat es nicht vollständig in der Hand, das zu vermeiden. Aber Kochen mit sehr hohen Temperaturen ist da so ein Problem, was das mit begünstigt, das sollte man aber aus ganz vielen Gründen vermeiden und deswegen hat man es bei einem gesunden Kochplan automatisch mit in der Hand, auch die Transfette klein zu halten.
Weil dann so viele andere Nährstoffe noch zerstört werden? Oder warum meinst du generell Hitze vermeiden? Genau, also hohe Temperaturen sorgen einerseits dafür, dass ganz viele andere gesunde Sachen kaputt gehen. Ein Teil der Vitamine ist hitzeempfindlich, die zerstöre ich also durch sehr langes, sehr hochtemperiertes Kochen und Braten. Es gibt andererseits auch Schadstoffe, die erst durch sehr hohe Temperaturen entstehen. Stichpunkt Acrylamid zum Beispiel. Wenn ich also Pommes sehr lange brate, auch beim Brotbacken, auch beim Backen von Lebkuchen entsteht so etwas. Das ist halt eine Substanz, die braucht hohe Temperaturen und ein paar andere chemische Bedingungen. Insofern, je milder ich koche, je milder ich brate, umso geringer ist das Problem. Einerseits für Acrylamid und andererseits auch für die Transfettsäuren.
Fett ist ja auch ohnehin schon in Lebensmitteln enthalten, auch wenn ich jetzt nicht irgendwie noch Butter aufs Brot schmiere, Öl in die Pfanne haue.
Wie erkenne ich denn als Laie, ob ich zu fettig esse, übertrieben fettig esse oder zu viel ungesundes Fett? Das ist eine sehr schwierige Frage, weil sie einerseits impliziert, sehe ich es dem Lebensmittel an? Jein. Bei naturbelassenen, also unverarbeiteten Lebensmitteln muss ich im Prinzip wissen, wo ist viel Fett drin und wo sind die Unterschiede. Bei Fleischsorten sollte man ein gewisses Grundgefühl haben, welche Fleischsorten eher fettig sind, welche das eher nicht sind. Schweinefleisch zum Beispiel ist eher fettig, aber Pferdefleisch zum Beispiel ist es nicht. Auch wenn wir Pferde vielleicht eher selten essen. Bei Geflügel ist die Haut sicherlich fettiger als das eigentliche Muskelfleisch. Auch das kriegt man, glaube ich, ganz gut hin. Bei pflanzlichen Lebensmitteln kennt man typischerweise die Klassiker, die ein bisschen fettiger sind. Nüsse, Saaten, Avocados, das ist auch klar.
Bei all den Fertigprodukten ist es alleine vom Betrachten des Lebensmittels an sich wesentlich schwieriger, weil das Fett eben da sehr, sehr gut technologisch drin versteckt ist. Aber glücklicherweise haben wir eben alle verarbeiteten Produkte, alles, was in einer Packung steht, auch einen Packungsaufdruck, wo die Fette deklariert sind, sodass man sehr gut sehen kann, wie viel Fett ist insgesamt drin und wie sind die Unterfraktionen, wie ist der Anteil des gesättigten und des ungesättigten Fettes. Das ist dann schon eine Information, auf die man sich beziehen kann.
Ich würde sagen, es gibt irgendwelche Faustregeln, an denen man sich orientieren kann. Also du hast ja schon so angedeutet, tendenziell eher ungesättigt als gesättigt. Gibt es da noch mehr, was man sich so ganz einfach merken könnte? Das ist die wichtigste Grundregel von allen. Ansonsten ist es so, dass die allermeisten, nicht alle, aber allermeisten hochverarbeiteten Produkte aus ganz vielen Gründen ungesund sind, weil sie typischerweise auch wenig Ballaststoffe enthalten, weil sie oftmals relativ wenig Eiweiß enthalten, weil sie stark gesalzen sind, weil sie auch ordentlichen Zuckerzusatz drin haben und weil noch eine Reihe von Farbstoffen und weiteren Zusätzen drin sind, von denen wir noch nicht eindeutig wissen, ob sie ungesund sind, aber wo es zumindest Verdachtsmomente gibt.
Das heißt, so wie es einem finanziell, zeittechnisch möglich ist, ein verarbeitetes Produkt nicht aus der Packung zu kaufen, sondern das eher selbst zu kochen, hat man es auch selber in der Hand, welche Stoffe da drin sind und kann das eben auch mitsteuern.
Nun essen die meisten von uns leider viel mehr gesättigte Fettsäuren als ungesättigte. Durch welche Ernährungsumstellung können wir da leicht schon mal einen richtigen Schub uns geben, viel bewirken? Die gesättigten Fette kann man zunächst mal zurückdrängen, indem man tierische Lebensmittel reduziert und zwar insbesondere diejenigen, die per se sehr viel Fett enthalten. Das ist also insbesondere Schweinefleisch, das sind aber auch andere Fleischarten, indem man bei der Fleischverarbeitung die fettigen Teile wegschneidet und die mageren übrig lässt, indem man sie eben nicht zusätzlich in Fett anbrät, sondern einfach im eigenen Fett gart.
Man kann bei Milchprodukten die fettarme Variante wählen und man kann eben auf der pflanzlichen Seite auch da gesättigte Fettsäuren einsparen, wenn man die Möglichkeit hat wirklich ganz bestimmte hochverarbeitete Produkte eher zu meiden, in denen ganz gezielt ein hoher Anteil an diesen gesättigten Fettsäuren drin ist. Klassisches Beispiel sind so fettige Brotaufstriche, die damit werben, dass da ganz viel Nüsse drin sind, wo aber eben dann auch ein großer Anteil an Palmenfett zum Beispiel reingemischt wird, um das Ganze fest und cremig zu machen, damit es einem nicht vom Brot runterfließt. Das sind so Lebensmittelgruppen, auf die kann man gucken und kann mit relativ wenig Verzichtsgefühl das Ganze auch umgehen.
Spannend, dass du jetzt sagst, bei den Milchprodukten durchaus die fettarmen wählen, weil das ja eigentlich immer was, wovor einmal alle warnen. Geht nicht in den Supermarkt und kauft fettarme Produkte, Leitprodukte oder meinst du das eher in die Richtung von Natur aus eher fettarme? Die können schon mal von Natur aus fettarm sein und hinzu kommt eben, dass ein fettarmes Produkt nicht automatisch ungesund sein muss. Oftmals ist es leider so, weil natürlich die Lebensmittelindustrie noch irgendeine Art von Geschmacksträger drin behalten will. Und wenn ich das Fett rausnehme, ist ein typischer Zug, dass ich dann Zucker ergänze oder zumindest eine Fruchtzubereitung reinpacke, die eben tatsächlich sehr, sehr süß ist, sodass der Nutzen des fettarmen Lebensmittels davon aufgehoben wird, dass es wieder ein zuckerreiches Lebensmittel wird. An der Stelle kann es eben helfen, dass ich einfach die Rohzutat ausweiche, dass ich also einen fettarmen Naturjoghurt nehme und den dann selber mit was Geschmackstragenden anreiche und es selber in der Hand habe, wie viel Zucker ich dann wirklich selber dazu packe.
Lässt sich denn überhaupt sagen, was die gesündeste Ernährung ist? Nach derzeitigem Wissensstand ist die gesündeste Ernährung die traditionelle mediterrane Ernährung. Und zwar sowohl, wenn wir nach Beobachtungsstudien gehen, als auch, wenn wir nach hochwertigen Interventionsstudien gehen. Traditionelle mediterrane Ernährung, aufgebaut aus sehr viel Gemüse, also sehr vielen Ballaststoffen. Diese Ballaststoffe tragen dazu bei, dass unser Cholesterinspiegel sinkt. Guter Punkt. Wir haben sehr viel gesundes Öl, nämlich Olivenöl drin, also ungesättigte Fettsäuren. Wir haben mehrmals die Woche fettigen Fisch drin, also langkettige Omega-3-Fettsäuren. Absolut gesund. Wir haben eine starke Empfehlung für Nüsse da drin. Das können Walnüsse oder auch andere Nüsse sein. Auch die haben ein sehr gutes Fettprofil, überwiegend aus ungesättigten Fettsäuren aufgebaut. Wir haben Vollkornprodukte drin, mit einem hohen Ballaststoffanteil. Absolut gesund. Und all die anderen Lebensmittel, die wir eher als problematisch oder zumindest fragwürdig einstufen, sei das jetzt rotes Fleisch, seien das vielleicht Milchprodukte, seien das andere hochverarbeitete zuckrige Lebensmittel, die spielen in der traditionellen mediterranen Ernährung keine Rolle. Das heißt, die großen Träger von gesättigten Fett tauchen da kaum auf. Insofern kann man den gesunden Charakter der traditionellen mediterranen Ernährung ganz wunderbar an den Fetten erklären. Und es sei gleichzeitig, Fett ist ein wichtiger Anteil der Ernährung, aber eben auch nicht alles.
Auch bei den ungesättigten Fettsäuren müssen wir nochmal unterscheiden. Warum gilt Omega-3 eigentlich als besonders wertvoll? Bei den ungesättigten Fettsäuren gibt es mehrere Untergruppen. Es gibt zunächst die einfach ungesättigten Fettsäuren, Ölsäure ist da so der klassische Vertreter. Das ist die Hauptfettsäure, die wir im Olivenöl drin haben, auch im Rapsöl kommt es zu überwiegenden Teilen mit vor. Und dann gibt es die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die also mehrere Knicke im Molekül haben. Und die gibt es ebenfalls wieder in verschiedenen Varianten, die man nach dieser Omega-Gruppierung einteilt. Da gibt es Omega-3, Omega-6, Omega-9, je nachdem, wo die Knicke im Molekül sind. Für die Omega-3-Fettsäuren ist es so, dass die ganz besonders günstig auf unseren Cholesterinspiegel einwirken, dass die ganz besonders günstig auf unseren Entzündungshaushalt einwirken. Und dass ein Teil dieser Omega-3-Fettsäuren auch von unserem Körper nicht selber produziert werden kann. Wir müssen diese also zum Teil wirklich zwingend mit der Nahrung zu uns führen. Und deswegen haben die so einen speziellen Stillenwert in der Ernährungsberatung.
Jetzt ist ja die klassische Empfehlung immer ein bis zwei Mal pro Woche fetter Seefisch, um Omega-3 zu sich zu nehmen.
Was ist da die beste Alternative für Vegetarierinnen, Veganer? Bei den Omega-3-Fettsäuren aus dem Seefisch geht es um die langkettigen Omega-3-Fettsäuren, also nochmal eine Untergruppe. Und die kriegt man tatsächlich eben nur aus Lebensmitteln, die aus dem Meer kommen. Wenn es der Seefisch nicht sein soll, dann können es Algen sein, Algenöl oder tatsächlich Algen an sich. Auch die enthalten diese langkettigen Omega-3-Fettsäuren und die sind letztlich sogar die Nahrungsquelle für den fettigen Seefisch. So kommt der an diese Fettsäuren überhaupt erst ran. Ich muss also den Umweg gar nicht über den Fisch gehen. Ich kann direkt die Algen essen.
Muss man allerdings bedenken, einige dieser Algen enthalten sehr viel Jod. Wer so ein Schilddrüsenproblem hat und eher Schilddrüsenüberfunktion hat, der muss mit dieser Nahrungsquelle vorsichtig sein.
Genau. Omega-3 gibt es auch in Kapseln als Öle. Inwiefern ist es sinnvoll, Omega-3 durch Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen? Also für wen ist das was? Es wird ja schon seit langer Zeit suggeriert, dass diese Omega-3-Fettsäuren tatsächlich dazu beitragen, dass wir länger leben, dass wir sehr konkrete Erkrankungen damit verhindern können, insbesondere Herzinfarkte, Schlaganfälle. Es gibt eine ordentliche Zahl an Studien, die das tatsächlich untersucht haben, also wirklich über lange Zeiträume Patienten mit genau diesen Fettsäurekapseln ernährt haben, nicht ausschließlich ernährt haben, sondern sozusagen wie ein Medikament ergänzt haben, mit einer placebo-kontrollierten Kontrollgruppe, die letztlich sonst die gleichen Bedingungen hatte, eben aber nicht diese Fettsäuren drin hatte.
Und diese Studien zeigen, wenn man die insgesamt gebündelt betrachtet, keinen wirklich deutlichen Schutzeffekt für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Gesamtsterblichkeit. Da ist so ein Trend zu sehen, aber wirklich stark ist das nicht. Und wenn es 20, 30 große Studien braucht, um auch nur so einen zarten Trend zu zeigen, dann ist das eben nicht der knallharte Effekt, den wir eigentlich erwarten. Insofern kann man die einnehmen, aber man darf eben keine allzu großen Erwartungen dran knüpfen. Man darf erwarten, dass sich die Blutfette ein kleines bisschen bessern werden. Das ist schon der Fall. Es übersetzt sich eben nicht in diese starke Risikoreduktion für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Warum das so ist, ist nicht vollständig klar.
Und es muss ein Bewusstsein sein, dass auch diese Fischölkapseln gewisse Nebenwirkungen haben können. Sie können Verdauungsprobleme machen, Magengrummeln, Durchfälle. Und man sieht auch eine gewisse Risikosteigerung für Vorhofflimmern. Die ist nicht dramatisch. Häufig ist es nicht so, dass alle Leute, die das einnehmen, plötzlich Vorhofflimmern bekommen. Aber eine gewisse Häufung sieht man. Also Herzpatientinnen, Herzpatienten müssen aufpassen. Einerseits haben Herzpatienten ein gutes Argument, das einzunehmen, um die Blutfette zu senken. Andererseits haben sie ein Argument dagegen, weil es eben Vorhofflimmern steigern könnte. Das ist genau die Größe daran. Vielleicht nicht ohne ärztliche Beobachtung. Das ist immer ein guter Tipp.
Unser Körper braucht auch Omega-6, aber zu viel davon kann zum Beispiel Entzündungsprozesse im Körper fördern. Welches Verhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6 tut uns dann nun gut? Ob die Omega-6-Fettsäuren Entzündungsprozesse wirklich fördern, ist so eindeutig klar nicht. Im Tierexperiment sieht das gerne so aus, aber das sind eben Experimente mit hochkontrollierten Bedingungen und mit Stoffwechselsituationen, die dem menschlichen Stoffwechsel nicht immer entsprechen müssen. Wenn ich z.B. so etwas an der Maus teste, ist das für die Maus erstmal gültig, aber nicht unbedingt für den Menschen und im Zellversuch habe ich eben eine sehr isolierte Bedingung, die gar keinen vollständigen Organismus abbildet.
Wenn ich da also durch das pure Zusammenrühren von drei Chemikalien eine bestimmte Reaktion sehe, heißt das nicht, dass es im menschlichen Körper ganz genau so passiert. So gibt es zwar rein aus der Biochemie betrachtet schon eine Hypothese, schon eine sehr solide Annahme, dass diese Omega-6-Fettsäuren eher proinflammatorisch, eher entzündungsfördernd reagieren, eher zu entzündungsfördernden Signalmolekülen weiterverarbeitet werden. Bei all den Studien, die am Menschen gemacht wurden und die so gut kontrolliert waren, dass man das entsprechend nachvollziehen kann, ist dieses Signal so deutlich nicht zu sehen.
Deswegen stellt sich auch die Frage, muss ich bei den Omega-6-Fettsäuren so vorsichtig sein, muss ich überhaupt dieses Verhältnis anpeilen, was immer postuliert wurde, 5 zu 1, also maximal fünfmal so viele Omega-6-Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren. Das Verhältnis geistert immer wieder rum. Richtig gut belegt ist es nicht. Ich finde nicht, dass man darauf seine Ernährung optimieren sollte. Da gibt es andere Aspekte, die viel wichtiger sind.
Also da auch weiterhin dein Tipp, hauptsächlich darauf zu achten, dass Sie überhaupt genügend ungesättigte Fettsäuren zu uns nehmen. Ungesättigte Fettsäuren sollte man per se betonen. Und dieser Schwerpunkt auf lieber mehr Omega-3 als Omega-6, der ist nett. Es ist nicht falsch, das anzupeilen, aber da gibt es keine feste Quote, kein festes Verhältnis, das man unbedingt einhalten muss. Soweit ist die Forschung nicht, dass sie das gut genug belegt hätte.
Wer wirklich alles optimieren will und das ohne riesige Anstrengungen hinbekommt, ohne zwanghaft seinen kompletten Ernährungsplan zu kontrollieren, der soll gerne auch noch darauf achten. Aber für die meisten Menschen wird dieses Verhältnis nicht relevant sein.
Ich habe gelesen, dass aber eben viele von uns viel mehr Omega-6 als Omega-3 zu sich nehmen. Wer das Verhältnis ändern will, könnte welche Fette zu sich nehmen? Wer könnte eben anstelle die Omega-6-Fettsäuren runterzudrücken, einfach mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, der könnte also mehr fettigen Fisch essen, der kann auch pflanzliche Produkte in größerem Maße essen, die sehr viel von diesen Omega-3-Fettsäuren enthalten und dann das Verhältnis sozusagen in die richtige Richtung schieben.
Kürbiskerne zum Beispiel sind da eine Möglichkeit, man kann Leinöl zu sich nehmen oder Hanföl, das sind so Öle, die einen ordentlichen Omega-3-Anteil drin haben. Wo du das Leinöl erwähnst, es ist am Ende auch eine Geldfrage, welche Fette wir uns kaufen können. Ein Liter Leinöl kostet 6,50 Euro, ein Liter Sonnenblumenöl kostet 1,59 Euro.
Was sind denn wirklich gesunde Fette, die aber auch sich im Grunde jeder von uns leisten kann? Wenn wir den Maßstab ansetzen, dass es sich jeder leisten kann, sollten wir den Maßstab da ansetzen, wo das geringste Einkommen vorliegt, das sind Menschen, die Bürgergeld bekommen. Wenn man das zur Grundlage nimmt, ist Öl in der Regel gar nicht der Punkt, auf den man überhaupt schaut, sondern da geht es darum, die Basiskalorien irgendwie abzudecken, ausreichend Kohlenhydrate, ausreichend Eiweiß zu bekommen. Das Fett läuft dann so nebenher, das wird dann eben mit abgedeckt.
Viele Menschen, die Bürgergeld bekommen, kommen bei weitem nicht auf die Mengen an Gemüse, die sie essen sollen, kommen also auch nicht auf die Ballaststoffe. Da dann irgendwie noch nach dem gesunden Öl zu gucken, ist vielen Leuten gar nicht möglich. Die gucken dann wirklich nach dem preiswertesten. Das ist total nachvollziehbar, dass wir das so machen. Irgendwie muss man satt werden, irgendwie muss man die Mahlzeiten ja abdecken können. Da sind wir definitiv nicht sozial genug.
Menschen mit geringem Einkommen, aber mehr Geld als Bürgergeld, wozu könnten die greifen? Das ist jetzt eine Nivellierung, die schwerer fällt, nehmen wir Menschen, die den Mindestlohn bekommen.
Es ist auch da schwer festzumachen, ob man da jetzt als erstes das Öl optimiert oder ob man da erstmal schaut, ob man mehr Gemüse isst. Auch das ist eine Frage von Menschen, die jetzt kein super geringes Einkommen haben, sondern ein geringes Einkommen. Auch die werden nicht als allererstes auf das Speiseöl gucken, sondern werden schauen, dass sie mehr Gemüse essen können, dass sie eher Vollkornprodukte statt Weißmehlprodukten kaufen können. Ich glaube, die Fragen, die sich diese Haushalte stellen, sind andere als, welches Öl nehme ich denn?
Die Menschen, die sich 6,50 Euro für einen Liter Leinöl leisten können, was dürfen die sich erhoffen? Was ist daran so gesund? Menschen, die Leinöl in ihren täglichen Ablauf integrieren können, haben erstens wahrscheinlich das Geld, um sich insgesamt gesund zu ernähren. Das heißt, sie haben ganz viele Vorteile, die auch unabhängig vom Leinöl stattfinden. Das Leinöl selbst hat durch den hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren das Potenzial, die Blutfette sehr gut zu optimieren. Das bringt sie nicht automatisch in den Normalbereich, aber es senkt die ungünstigen Blutfette. Es hat auch einen gewissen Einfluss auf den Blutdruck. Es hat auch einen dezenten Einfluss auf die Blutzuckerregulation. Es wirkt der Insulinresistenz ein kleines bisschen entgegen. Es ist aber deswegen jetzt auch kein Superfood. Wer Leinöl, selbst wenn er das 20 oder 30 Jahre lang anwendet, wer das tut, der ist trotzdem nicht vor dem Diabetes 100 Prozent geschützt. Der kann trotzdem seinen Herzinfarkt bekommen. Es ist kein Superfood, es ist kein Medikament.
Im Öregal gibt es eine wahnsinnig große Auswahl. Also ich bin jedes Mal erschlagen davon. Lass uns mal einfache Unterschiede klären. Zum Beispiel gilt, kalt gepresst immer als gesünder, als raffiniert. Weshalb? Dazwischen stecken schon zwei Unterschiede. Kalt gepresst heißt tatsächlich nur, dass beim Herstellungsprozess des Öls eine bestimmte Temperatur, nämlich 27 Grad, nicht überschritten werden darf. Das heißt dann einfach kalt gepresst. Es gibt auch kalt extrahiert. Da wird ein anderes Verfahren genutzt, was eben keine Presse ist, aber es hat die gleiche Temperaturgrenze. Und die Temperaturgrenze sorgt eben dafür, dass bestimmte geschmackliche Eigenschaften des Öls erhalten bleiben, dass bestimmte Inhaltsstoffe nicht zerstört werden, die sehr temperatursensibel sind. Das sagt es letztlich aus. Insofern hat es eine gesundheitliche Komponente, es hat auch eine geschmackliche Komponente, die da drin steckt.
Gesundheitlich oder geschmacklich, worum geht es bei diesen ganzen unterschiedlichen Olivenölbezeichnungen? Nativ, extra, nativ, nur Olivenöl? Nativ heißt, es wird tatsächlich die Olive als solches verwendet, kein zusätzliches Verfahren. Sie wird mechanisch verarbeitet. Sie wird also nicht durch einen chemischen Prozess extrahiert, sondern man nimmt letztlich die ganze Olive, zerquetscht die und das Öl, was dabei rausläuft, wird verwendet. Die Zusatzbezeichnung, die es dann noch gibt, Vergine und Extra-Vergine, das sagt etwas über den Reinheitsgrade, auch geschmackliche Eigenschaften des Öls aus, Säureanteil und Trübungen, die sozusagen das geschmackliche Profil des Öls mitprägen. Je schlechter da die Eigenschaften sind, hat es auch gewisse, vermutlich gesundheitliche Eigenschaften, die aber wahrscheinlich nicht so stark ins Gewicht fallen, als wenn ich jetzt Olivenöl durch Schweineschmalz ersetzen würde. Der Unterschied ist definitiv größer und raffiniertes Öl nutzt letztlich ein sehr minderwertiges Olivenöl, was an sich so gar nicht zum Verzehr geeignet ist, sondern dann folgen eben zusätzliche Reinigungsverfahren und dann auch eine Beimischung von nativem Olivenöl, um das Ganze verzehrsfähig und verkehrsfähig zu machen.
Beim Vergleich zwischen Margarine und Butter bin ich auch auf ganz verschiedene Empfehlungen gestoßen. Wie siehst du das?
Was schmiere ich mir besser aufs Brot, was nehme ich lieber zum Backen? Der Unterschied zwischen Butter und Margarine ist so groß nicht. Die Zusammensetzung unterscheidet sich zwar ein bisschen, aber die Mengen, die wir üblicherweise einsetzen, sind so klein, dass es keinen großen Unterschied macht. Insofern ist es eher eine geschmackliche oder eine technologische Frage, was man davon verwendet. Der Effekt auf unseren Stoffwechsel ist wahrscheinlich trennbar. Da gibt es einen kleinen Unterschied, aber wie groß der wirklich ist, ist kaum zu bemessen. Die konkreten Studien, die das präzise messen könnten, haben wir nicht.
Wir haben hauptsächlich die Beobachtungsstudien, die aus ganz vielen Gründen methodisch diese Aussage nicht erlauben. Es gibt Studien, die sich dazu äußern, und das ist bei Beobachtungsstudien leider der Fall, dass die auch immer wieder auftauchen, dass die immer wieder herangezogen werden, um solche Statements zu ganz konkreten Fetten oder ganz konkreten fettigen Lebensmitteln, auch zu allen anderen Lebensmitteln zu treffen. Beobachtungsstudien können letztlich nur eine statistische Korrelation zeigen. Die zeigen einen statistischen Zusammenhang. Wenn dort Menschen ein bestimmtes Öl, ein bestimmtes Fett, ein bestimmtes fettiges Lebensmittel häufiger essen und dann auch häufiger bestimmte Erkrankungen haben, wird daraus ein statistischer Zusammenhang ermittelt.
Dem beschreibt man, was man als Leser und Leserin dann daraus entnimmt. Was man daraus ableitet, ist dann, dieses Lebensmittel führt zu diesen Erkrankungen. Das gibt aber so eine Studie überhaupt nicht her, weil oftmals die Zeitachsen gar nicht klar sind, wie lange haben die Leute schon dieses Lebensmittel konsumiert, bis diese Erkrankung aufgetreten ist. War das überhaupt vor der Erkrankung oder ist das möglicherweise parallel gelaufen? Und wie sieht der gesamte restliche Lebensstil dieser Menschen aus?
Das heißt, mit Beobachtungsstudien kann man es nicht beantworten. Man kann es nur mit Interventionsstudien, mit echten Testreihen beantworten. Und die sind methodisch wesentlich anspruchsvoller durchzuführen. Die sind sehr, sehr teuer. Und so viele von diesen Studien gibt es nicht, aber es gibt einige.
Also letztendlich, du würdest gar keine Empfehlung geben? Es ist total schwer, eine Empfehlung zu geben. Alleine zu der ganz simplen Frage, Butter oder Margarine oder auch, bringt es mir etwas, das Nahrungsfett zu reduzieren? Dazu gibt es ein paar randomisiert kontrollierte Studien, also wirklich gut durchgeführte Testreihen, die das mit einer großen Zahl von Patienten durchgezogen haben, über einen relativ langen Zeitraum, über drei, vier, fünf, sechs, sieben Jahre. Einige davon zeigen, Diabetes tritt seltener auf, Herzinfarkte treten seltener auf.
Es gibt aber auch Studien, die das genauso gemacht haben. Die sehen keinen Effekt oder sie sehen teilweise eine Risikozunahme. Und es ist total unklar, warum das so ist, ob dann parallel auch andere Ernährungsfaktoren eintreten, die die Menschen sozusagen unbewusst praktizieren. Wenn denen also völlig klar ist, dass sie jetzt weniger Fett essen, fangen sie möglicherweise anstatt dessen mehr Zucker zu essen und das hebt den Effekt auf. Wenn sie aber bei einer fettarmen Ernährung das tatsächlich komplett gesund umsetzen und das, was sie an Kalorien in die Kohlenhydrate packen, dann komplexe Kohlenhydrate, ballaststoffreiche Lebensmittel sind, dann wird da wahrscheinlich wirklich ein Nutzensausfall folgen.
Insofern hängt es eben am Ende doch nicht nur am Fett, sondern es hängt am gesamten Lebensstil. Das muss man in der Gesamtheit betrachten. Deswegen ist die alleinige Fixierung auf das Fett nicht ausreichend. Es ist sicherlich gerechtfertigt, gesättigtes Fett zu reduzieren, Transfette zu reduzieren. Aber man darf es nicht dabei stehen bleiben lassen und man muss auf andere Ernährungsaspekte auch gucken, die meistens damit vergesellschaftet sind.
Jetzt hast du vorhin schon gesagt, am besten das Essen nicht zu stark erhitzen. Machen wir in der Küche natürlich doch immer wieder. Welche Fette dürfen wir dafür verwenden? Beim Braten, Backen, im Sommer beim Grillen? Welche sind dafür geeignet? Welche sollten wir auf keinen Fall verwenden?
Da müssen wir wieder zurück in die Chemie und wir müssen wieder zurück zu den gesättigten und den ungesättigten Fettsäuren. Erste Grundregel, je höher der Anteil an gesättigten Fettsäuren, umso höher darf ich es erhitzen. Palmfett, Speineschmalz, Kokosfett ist alles relativ hoch erhitzbar, weil eben überwiegend aus gesättigten Fettsäuren aufgebaut.
Der zweite Punkt ist, raffinierte Fette lassen sich höher erhitzen. Das hängt hauptsächlich mit den Nebenbestandteilen des Öls oder des Fetts zusammen, also gar nicht mit den Fettsäuren an sich, sondern mit anderen Substanzen, die drin sind, die sehr leicht verbrennen, die sehr leicht zerstört werden durch die Hitze und die dann das Öl geschmacklich verändern, die es auch gesundheitlich verändern. Deswegen ist es dann sozusagen eine Frage des Sättigungsgrades. Ist es einfach ungesättigt, ist es mehrfach ungesättigt und ist es eben raffiniertes Fett oder nicht? Die raffinierten darf ich höher erhitzen, weil dort die ganzen empfindlichen Substanzen schon weg sind und im Prinzip ein gedanklich eher gesättigtes Fett übrig bleibt.
Und ansonsten ist es so, je ungesättigter, desto kälter muss ich es lassen. Das heißt, Olivenöl kann ich noch einigermaßen gut erhitzen, das hat hauptsächlich einfach ungesättigte Fettsäuren, das verträgt auch noch 160-170 Grad, aber dann wird es schwierig. Und bei den noch höher ungesättigten Fettsäuren ist es dann schwieriger, also Leinöl zum Beispiel darf man überhaupt nicht erhitzen, das geht sofort in Flammen auf, das muss man einfach kalt lagern, kalt verwenden und schnell verwenden, weil es auch sehr schnell ranzig wird.
Also in Quark geben, in Salat oder irgendwie nach dem Kochen aufs Essen wahrscheinlich? Auf ein wirklich abgekühltes Essen kann man es dann geben, ja, aber wirklich nicht erhitzen. Ansonsten die Fettsäuren, die da so super gesund drin sind, diese ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die sind total hitzeempfindlich. Wenn ich das in die Pfanne gebe, vernichte ich den ganzen gesundheitlichen Nutzen, da habe ich nichts von.
Was passiert zum Beispiel, wenn ich, machen ganz viele, einfach Olivenöl in die Pfanne gebe, richtig schön stark so eine Aubergine anbrate? Dann wird man sehr schnell sehen, dass das einerseits zu rauchen anfängt und das alleine sollte schon ein Warnzeichen sein und zum anderen entstehen eben ganz bittere Geschmackskomponenten, die machen das Ganze nicht mehr zu einem Genuss und dabei entstehen in diesem Rauchprozess eben auch Substanzen, die dann wirklich gesundheitsschädlich sind, also man macht eigentlich alles falsch.
Da ist auch der Begriff gesundheitsschädlich wirklich angebracht? Der ist dann völlig angebracht, deswegen Öl wirklich nur so weit erhitzen, wie es das jeweilige Öl hergibt. Bei gesättigten Fetten kann man das höher erhitzen, bei den ungesättigten eher weniger bis gar nicht.
Ich habe bei mir zu Hause mal nachgeschaut, was wir so rumstehen haben. Ich habe gefunden Geh, Kokosöl, Raps, Sonnenblumen- und Olivenöl. Was davon ist sinnvoll? Was brauche ich? Was würdest du sagen, ja, nö, eigentlich würden auch zwei reichen?
Die kann man schon alle haben. Es hängt ja davon ab, was man so kochen möchte und zu einer bestimmten Cuisine, zu einer bestimmten Landesküche braucht es eben geschmacklich einfach andere Fette. Die Frage ist eben, wie oft koche ich das eine, wie oft koche ich das andere? Wenn man ein Mahlengericht mit Kokosfett hat, ist es okay. Es sollte halt nicht jede Woche stattfinden. Das Gleiche gilt auch für Geh und für andere Butter-basierte Lebensmittel. Das kann man mal machen.
Es sollte eben nicht den Schwerpunkt darstellen, sondern der Schwerpunkt für die Verwendung von Öl in unserem Haushalt sollte wirklich bei flüssigem Öl liegen. Das kann Olivenöl, das kann Sonnenblumenöl, das kann Rapsöl sein, da sind die Unterschiede wirklich fein. Insofern, der Schwerpunkt sollte eher auf Salaten mit Öl liegen. Der sollte eher auf Quark mit Leinöl liegen. Der sollte auf fettigen Fisch liegen und nicht auf heiß gebratenen, frittierten Sachen, die das falsche Öl brauchen. Da liegt sozusagen das Problem in der Gesamtkomposition. Da ist die Frage, wie gesund kann gebratenes, frittiertes überhaupt sein?
Ja. Ghee ist eigentlich auch überwiegend aus gesättigten Fettsäuren. Warum gilt das immer als so gesund? Ghee ist geklärte Butter. Das heißt, es ist im Prinzip nur noch das Fett. Die anderen Bestandteile der Butter, Eiweißanteil, Wasseranteil, sind im Prinzip durch so einen Verarbeitungsprozess herausgelöst. Ghee gilt als gesund, weil es mit einer insgesamt gesund wirkenden Landesküche assoziiert wird. Es wird eben mit indischer Küche, mit ayurvedischer Küche verknüpft, wo sehr viele Gewürze, sehr viel Gemüse eine Rolle spielen. Das alles macht durchaus eine gesunde Küche schon aus. Ghee ist dabei gerade der Bestandteil, der eben nicht so gesundheitsförderlich ist. Der wird aber einfach damit in eine Pfanne geworfen, kann man sagen. Also das heißt, wenn man was anbraten will, im Zweifel dann doch irgendwie einfach Sonnenblumenöl nehmen.
Man kann Sonnenblumenöl nehmen. Wenn das dann eben sowieso einmal im Monat passiert, dann soll man gerne auch Ghee nehmen. Das ist in Ordnung. Es kommt ja nicht drauf, sich sklavisch allen Regeln zu unterwerfen. Genuss spielt eine Rolle, Vielfalt spielt eine Rolle. Und wenn man ab und zu mal ein Gericht haben will, wo Ghee drin ist, dann ist das völlig in Ordnung.
Was ist denn für dich eigentlich die wichtigste Botschaft, die du bei diesem Thema anderen weitergeben möchtest? Da gibt es so viele Botschaften. Also einerseits, das Fett ist nicht alles. Es gibt ganz viele Baustellen, die man bei der Ernährung bearbeiten kann. Fett ist durchaus eine wichtige Baustelle, eine, an der man gut drehen kann, mit relativ simplen Kniffen. Aber es reicht eben nicht aus, dort stehen zu bleiben. Für Menschen mit geringem Einkommen ist es schon schwieriger, die richtige Entscheidung zu treffen oder überhaupt eine bewusste Entscheidung zu treffen, die man sich leisten kann. Und darüber hinaus gibt es eine ökologische Dimension, dass wir bestimmte Fette haben, die in Lebensmitteln drinstecken, die unserem Planeten nicht so gut tun und gleichzeitig auch uns nicht. Das gilt insbesondere für die gesättigten Fette und das ist fast egal, ob wir auf Palmfett gucken, das eben auf Palmplantagen gewonnen wird, für die man Urwälder abholzt. Das gilt für die gesättigten Fette in tierischen Lebensmitteln, für die wir Regenwälder abholzen, um dort Soja anzubauen, um damit Tiere zu füttern. Und auch die tierischen Lebensmittel, die ebenso viel gesättigtes Fett enthalten, sind ja durchaus mit verschiedenen schweren Erkrankungen verknüpft. Das heißt, es würde dem Planeten und uns selber guttun, wenn wir das reduzieren.
Es gibt aber eben auch gesunde Fettquellen, die ökologisch nicht so toll sind. Denken wir an Avocados, für die blutige Bandenkriege ausbrechen, um Ländereien zu kriegen, die zu bewässern, um da die Avocados anzubauen, die wir dann auf den europäischen Markt schaffen. Auch das ist nicht so sinnvoll. Und leider endet das Problem da nicht, weil wir natürlich auch über gesunde Fette gesprochen haben. Auch die haben das ökologische Problem. Dort ist es allerdings eher so, dass nicht die Fettproduktion dazu führt, dass wir damit den Klimawandel einheizen, sondern der Klimawandel sorgt dafür, dass wir große Schwierigkeiten haben, wenn diese gesunden Fette überhaupt noch zu produzieren.
Das heißt, die klimatischen Bedingungen, die wir brauchen, um Oliven anzubauen, klimatischen Bedingungen, die wir für Mandeln und andere Nüsse brauchen, diese klimatischen Bedingungen werden immer schwieriger zu erreichen. Das heißt, es kann sehr gut sein, dass wir in einiger Zeit große Schwierigkeiten haben, überhaupt noch eine große Vielfalt an Fetten zu kriegen, weil wir Fleisch und andere tierische Produkte kaum noch herstellen sollten, um den Klimawandel nicht weiter anzuheizen. Für Palmfett das Gleiche gilt. Wir können viele gesunde Fette nicht mehr produzieren, weil es das Klima nicht mehr hergibt. Das heißt, wir sind möglicherweise in relativ knapper Zeit darauf angewiesen, uns zwischen Sonnenblumenöl und Rapsöl zu entscheiden, weil das noch die zwei Sachen sind, die wir einigermaßen flächendeckend produzieren können. Und dann spielt die Frage, ob Sonnenblumenöl zu viel Omega-6 ist auch nur noch eine untergeordnete Rolle. Das wird dann eine sehr kleine Rolle spielen und das ist möglicherweise ein Szenario, was gar nicht mehr so lange dauert.
Wenn wir es zum Abschluss auf den Punkt bringen, die wichtigste Faustregel beim Thema Fett ist, wenn wir nur an unsere Gesundheit denken wollen, mehr ungesättigte Fettsäuren als gesättigte. Beim Rest hängt es sehr vom Einzelfall ab. Genau. Je flüssiger das Öl, desto gesünder. Und das einzige Öl, für das wir wirklich wissen, dass es dazu beiträgt, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Sterblichkeit zu reduzieren, das ist das Olivenöl. Das ist das einzige Öl, das in wirklich großen langfristigen Studien aktiv getestet wurde, dass es diesen Nachweis gibt, quasi in der Verbindung zur traditionellen mediterranen Ernährung. Na dann gehe ich das doch direkt kaufen. Danke für deine Zeit, danke fürs Gespräch.
Gerne. Und falls ihr noch mehr Infos zum heutigen Thema oder der Arbeit von Stefan Kabisch haben wollt, in den Shownotes findet ihr ein paar Links. Bei welchen Fragen braucht ihr noch Antworten, bei welchen Themen fehlen euch Anregungen, schreibt mir gern per Mail an smarterleben.de, per WhatsApp an die 015172829182 oder bei Spotify direkt hier unter dieser Folge in den Kommentaren. Falls euch dieser Podcast gefällt, bewertet uns gern bei Apple Podcasts oder Spotify. Und natürlich könnt ihr smarter leben dort auch kostenlos abonnieren, so verpasst ihr keine Folge. Dank geht an Benjamin Braden und Philipp Wackler, die mich diesmal unterstützt haben, unsere Musik kommt von Above Zero und das war's für heute. Tschüss, bis zum nächsten Mal.
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